Studienreise nach Katalonien

Irgendwo zwischen Barcelona und dem kleinen Städtchen Corbera – ein Haufen wundervolle Jugendliche und zwei Mitarbeiter der Partei Die Linke fahren durch die Terra Alta Kataloniens – ich mitten drin. Die Teilnehmer dieser Reise sind Preisträger eines Wettbewerbs gegen Rechtsextremismus vom Verein „Zivilcourage Vereint“. In Begleitung von Jose, einem Franzosen mit katalanischen Ursprüngen, Sohn von Resistance-Mitgliedern und DDR-Migranten, besuchen wir verschiedene Schauplätze des antifaschistischen Widerstandes in der spanischen und französischen Region Kataloniens. Wir treffen Zeitzeugen, die innerhalb der Armee der Republik oder als Mitglieder einer der zahlreichen Bürgermilizen an der Front gegen die Truppen Francos kämpften, die Internierungslager überlebten und Politiker, die sich für die, gerade in Spanien vernachlässigte Aufarbeitung der Vergangenheit einsetzen. Thema unserer Reise sind die „Internationalen Brigaden“ – Menschen jeglicher sozialer und politischer Couleur, die aus Frankreich, Deutschland, Russland, aber auch Amerika, Vietnam oder Marokko als Soldaten nach Spanien kamen, um dort gegen die Armee der Putschisten und den Faschismus zu kämpfen. Nach dem Ende des Bürgerkrieges in Spanien war eine Rückkehr in das Heimatland für viele Brigadisten nicht mehr möglich. In vielen der inzwischen diktatorischen, autoritären oder von den Nationalsozialisten besetzten Ländern stießen sie auf Ablehnung oder mussten mit Verfolgung und Gefangenschaft rechnen.

Der Reise stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Auf der einen Seite erwarten uns Menschen, deren Biografien intensiv mit der Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges samt seiner Nebenschauplätze verbunden ist und die ich zu ihrer Einschätzung der aktuellen Geschichtspolitik und ihrem Umgang mit dem historischen Erbe befragen kann. Auf der anderen Seite beschäftigt mich der Rahmen dieser Reise. Mit der Partei Die Linke auf den Spuren der Internationalen Brigaden durch Katalonien zu fahren, ruft viele Fragen hervor, die angesichts der Biografien verschiedener Parteimitglieder relevant werden. Ich frage mich, wo sich die Mitglieder linker Parteien hinsichtlich der ambiguen Rolle der spanischen Kommunisten, der einseitigen Unterstützung der Sowjetunion sowie deren repressivem Umgang mit den Bürgermilizen und den russischen Interbrigadisten positionieren.

Angesichts mangelnder Internetvorkommen an unseren jeweiligen Aufenthaltsorten, werde ich etwas zeitversetzt von unseren Erlebnissen und Gesprächen in Katalonien berichten. Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare und Kritik.

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